DER ANDERE / DIE ANDERE

neuanfang

 

Die Geschichte vom Anderen

Ein Mann trifft einen alten Freund, der erfolglos versucht hatte, es im Leben zu etwas zu bringen. „Ich werde ihm ein bisschen Geld geben“, denkt er. Doch er erfährt noch in derselben Nacht, dass sein alter Freund reich war und beschlossen hatte, alle Schulden zurück zu bezahlen, die er in den Jahren gemacht hatte.

Die beiden gehen in eine Bar, die sie früher immer gemeinsam besucht hatten, und er gibt eine Runde aus. Als er gefragt wird, wie er solchen Erfolg haben konnte, antwortet er, dass er bis vor einigen Tagen DER ANDERE gewesen sei.

„Wer ist der Andere?“ fragen sie ihn. „Der Andere ist der, den sie mich zu sein gelehrt haben, der ich aber NICHT BIN. Der andere glaubt, dass der Mensch sein ganzes Leben lang nur daran denken muss, wie er so viel Geld zusammen bekommt, dass er nicht Hungers stirbt, wenn er alt ist. Er denkt so viel und macht so viele Pläne, dass er erst, als seine Tage auf Erden gezählt sind, entdeckt, dass er leben. Doch da ist es schon zu spät!“

„Das bist du, nicht wahr?“

„Ich bin wie jeder andere Mensch, wenn ich auf mein Herz höre. Ein Mensch, der staunend die Mysterien des Lebens betrachtet, ist offen für die Wunder; das, was er tut, löst Freude und Begeisterung in ihm aus. Nur der ANDERE lässt ihn aus Angst, enttäuscht zu werden, nicht handeln.“

„Aber es gibt doch das Leiden“, sagen die Leute in der Bar.

„Es gibt Niederlagen, und es gibt Herausforderungen. Niemand ist gegen sie gefeit. Deshalb ist es besser, im Kampf um seine Träume ein paar Schlachten zu verlieren, als besiegt zu werden, ohne zu wissen, wofür man kämpft.“

„Ist das alles?“ fragen die Leute in der Bar.

„Ja. Als ich das entdeckt habe, bin ich aufgewacht und habe beschlossen, der zu sein, der ich in Wahrheit immer war und immer sein wollte. Der ANDERE blieb dort in meinem Zimmer und sah mich an, doch ich habe ihn nie wieder hereingelassen, obwohl er immer wieder versucht hat, mich zu erschrecken, mich auf das Risiko aufmerksam zu machen, das ich einging, wenn ich nicht mehr an die Zukunft dachte. In DEM Augenblick, als ich DEN ANDEREN aus meinem Leben vertrieben habe, hat die Kraft Gottes begonnen 

WUNDER ZU TUN!“

 

(aus „Am Ufer des Piedra saß ich und weinte“ von P.Coelho)

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