Konfuzius sprach!

 

von meinem Sohn Max

 

Konfuzius sprach!

Konfuzius

Er ist einer der bedeutendsten Philosophen Chinas, ein brillanter Menschenkenner und ein mittlerweile auch ein bekanntes Meme im Internet. Die Rede ist von Konfuzius. Auch wenn seine Weisheiten für uns in der westlichen Welt ein wenig merkwürdig, gar altmodisch klingen, dürfen wir sie nicht zu schnell ignorieren. Gerade das macht sie so interessant und wichtig für uns. Hier sind ein paar der wichtigsten Weisheiten Konfuzius‘.

Leider wissen wir nur sehr wenig über das Leben des Konfuzius. Laut Überlieferungen soll er im Jahr 551 in China geboren worden sein, einige Quellen behaupten, er sei ein Schüler des Taoistischen Meisters Lao Tse gewesen. Im Alter von 32 Jahren arbeitete Konfuzius als Beamter am Hofe des Fürsten von Lu. Als dieser eines Tages 80 Frauen und 120 Pferde von einem befreundeten Adligen geschenkt bekam und sich tagein – tagaus nur mit Pferde reiten und der Gesellschaft der Damen beschäftigte, verließ Konfuzius den Hof. Die Dekadenz der Adligen konnte er nicht länger aushalten. Daraufhin wanderte er 12 Jahre lang durch die Welt. Zum Beginn seiner Wanderung war er 56 Jahre alt, 484 v.Chr ging er zurück an den Hofe von Lu, wo er bis zu seinem Tod 479 v. Chr. lehrte und arbeitete. Konfuzius selbst hinterließ keine schriftlichen Kenntnisse, alles was wir über seine Philosophie wissen, stammt von seinen Schülern. Das bekannteste Werk sind hierbei „Die Gespräche“, in denen Konfuzius mit seinen Schülern, Adligen und vielen anderen Menschen diskutiert und ihnen seine Weisheiten näher bringt.

Philosophie des Staates

Konfuzius Staatsphilosophie kann man nach heutigen Maßstäben wohl als „Law-and-Order“ Politik beschreiben. Für ihn war das wichtigste, was in einem Staat, in der Gesellschaft, und auch in der Familie vorzuherrschen hat, Ordnung. Diese Ordnung soll hergestellt werden durch Gehorsam, die Achtung von Zeremonien und Sittsamkeit. Besonders der Punkt des Gehorsams klingt ein wenig autoritär und komplett konträr zum egalitären, liberalen Gesellschaftsbild im Westen. Doch für Konfuzius war Gehorsam nichts martialisches, sondern eine Art von Respekt.

Lass den Herrscher Herrscher sein, den Bauern Bauern, den Vater Vater und den Sohn einen Sohn.

Es gibt Menschen, die durch ihre bisherige Lebenserfahrung, ihr Wissen und ihre Kenntnisse den Respekt von uns verdienen. Wir sollten solch weisen Menschen nacheifern und sie fragen, wie man handeln soll.

Um die Ordnung aufrechtzuerhalten sollte neben Respekt gegenüber höher Gestellten auch eine klare Sprache vorherrschen:

Stimmen die Namen und Begriffe nicht, so ist die Sprache konfus. Ist die Sprache konfus, so entstehen Unordnung und Misserfolg. Gibt es Unordnung und Misserfolg, so geraten Anstand und gute Sitten in Verfall. Sind Anstand und gute Sitten in Frage gestellt, so gibt es keine gerechten Strafen mehr. Gibt es keine gerechten Strafen mehr, so weiß das Volk nicht, was es tun und was es lassen soll. Darum muss der Edle die Begriffe und Namen korrekt benutzen und auch richtig danach handeln können. Er geht mit seinen Worten niemals leichtfertig um.

Der edle Mensch

Konfuzius hat sich sehr damit beschäftigt, was einen „edlen“ Menschen ausmacht. Oft wurde er auch von seinen Jüngern gefragt, wie man sich richtig verhalten solle. Die wichtigsten Tugenden eines Edlen sind laut Konfuzius Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit, die Achtung der Riten sowie die „kindliche Pietät“, auf die ich im Abschnitt Familie genauer eingehen werde. Konfuzius macht in vielen Beispielen klar, was edles Verhalten für ihn ist. Die Zitate sind ziemlich eindeutig und sprechen für sich:

Konfuzius sprach: „Der Edle ist ausgeglichen und innerlich ruhig; der Gemeine hingegen ist innerlich verkrampft und lebt stets in Nöten und Ängsten.“

Zi-gong fragte den Konfuzius: „Gibt es ein Wort, das ein ganzes Leben lang als Richtschnur des Handelns dienen kann?“ Konfuzius antwortete: „Das ist gegenseitige Rücksichtnahme. Was man mir nicht antun soll, will ich auch nicht anderen Menschen zufügen.

Der Edle schämt sich, wenn seine Worte seine Taten übertreffen.

Der Edle fordert von sich selbst. Der Gemeine fordert von anderen.

Konfuzius sprach: „Neun Dinge sind es, auf die der Edle sorgsam achtet: Beim Sehen achtet er auf Klarheit, beim Hören auf Deutlichkeit, in seiner Miene auf Freundlichkeit,
im Benehmen achtet er auf Höflichkeit, im Reden auf Ehrlichkeit, im Handeln auf Gewissenhaftigkeit. Wenn ihm Zweifel aufkommen, fragt er andere. Ist er im Zorn, so bedenkt er die Folgen.
Angesichts eines persönlichen Vorteils fragt er sich, ob er auch ein Anrecht darauf hat.“

Familie

Wie schon erwähnt, war kindliche Pietät für Konfuzius eine der vier Eigenschaften, die einen edlen Menschen ausmachten. Wesentlicher Inhalt der kindlichen Pietät ist die Liebe von Kindern gegenüber ihren Eltern und ihren Ahnen. So war Konfuzius der Auffassung, dass ein Kind, wenn es noch jung ist, seinen Eltern gehorchen muss, wenn es älter wird, soll es für die Eltern sorgen, es soll lange um sie trauern wenn sie sterben und die Erinnerung an sie immer mit sich tragen. Konfuzius war sogar der Meinung, dass Kinder nicht allzu weit weg von ihren Eltern ziehen sollten, im Falle, dass diese mal krank oder schwach werden.

Auch diese Weisheit klingt für westliche Ohren ein wenig befremdlich. Manch einer interpretiert diese Verhaltensweisen als devoten Gehorsam und Unterwerfung gegenüber den Eltern. Doch das ist selbstverständlich eine Übertreibung. Nichtsdestotrotz kann man sich die Weisheit Konfuzius ein wenig zu Herzen nehmen. Heutzutage sind viele Kinder froh, wenn sie von zuhause ausziehen dürfen, und sind erleichtert, wenn der Besuch über die Weihnachtsfeiertage endlich vorüber ist. Konfuzius erinnert uns daran, dass wir unseren Eltern ein wenig Respekt und Hochachtung schulden. Immerhin haben sie uns großgezogen. Es dürfte also nicht zu viel verlangt sein, einmal mit dem Vater einen Kaffee trinken zu gehen oder der Mutter zum Geburtstag anzurufen.

Bildung

Bildung und das lebenslange Lernen ist für Konfuzius die Grundvoraussetzung einer edlen Gesinnung. Seiner Meinung nach kann ein Edler nur wahrhaftig „edel“ sein, wenn er sich regelmäßig bildet, Rituale vollzieht und anständiges Verhalten wiederholt. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist, dass man sich nicht bilden soll, um einen Vorteil gegenüber anderen zu haben, um seinen egoistischen Neigungen gerecht zu werden, sondern um sich permanent moralisch zu kultivieren:

Im Altertum lernte man, um sich selbst zu vervollkommnen; heute dagegen lernt man, um anderen gegenüber etwas zu gelten.

In der Hinsicht der Bildung war Konfuzius sogar strenger Sozialist. Er war sozusagen ein Befürworter der universellen, freien Ausbildung. Liest man den folgenden Satz könnte man mit ein wenig Fantasie meinen, er stamme von Bernie Sanders, der immerhin 2.500 Jahre nach Konfuzius gelebt hat:

Konfuzius sprach: „Bildung sollte allen zugänglich sein. Man darf keine Standesunterschiede machen!“

Für alle, die innerlich schon stöhnen, weil ihnen die Aussicht auf lebenslanges Lernen und ständiges Wiederholen von Anstandsregeln nicht zusagen, hat Konfuzius auch noch einen Spruch auf Lager. Es ist übrigens der allererste Spruch in den „Gesprächen“:

Etwas lernen und sich immer wieder darin üben – schafft das nicht auch Befriedigung?

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