Das Bauchgefühl

„Hör auf dein Bauchgefühl“. Dieser Satz ist jedem geläufig, aber dass er auch Sinn macht, wissen die wenigsten. Der Darm ist ein Spiegel unserer Gefühle – bei Verliebtheit bekommen wir Schmetterlinge im Bauch, bei Angst verkrampft er sich. Der Darm „fühlt“ mit, er „denkt“ mit, er ist sozusagen unser „zweites Gehirn“. Und dabei ist das überraschende Zusammenspiel von Bauch und Kopf – Darm und Gehirn – keineswegs nur esoterischer Art. Das sogenannte enterische Nervensystem durchzieht unseren Magen-Darm Trakt und steuert unsere Verdauung – und unser Verhalten.

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Gestützt ist diese Theorie auf die Entdeckung eines üppigen neuronalen Geflechts, das den gesamten Magendarmtrakt umhüllt. Dieses enterische Nervensystem (ENS), bestehend aus einen komplexen Geflecht von Nervenzellen, steht im regen Kontakt mit dem zentralen Nervensystem in Rückenmark und Kopf (ZNS). Im Volksmund auch „Bauchhirn“ genannt, redet die Wissenschaft lieber von der Darm-Hirn-Achse. Beide Nervensysteme, ENS und ZNS, sind sich erstaunlich ähnlich und benutzen sogar die gleichen Botenstoffe. Über den sogenannten Vagus Nerv unterhält der Bauch einen regen Fluss an Signalen und Informationen mit dem Gehirn.

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Der Darm ist das größte innere Organ des Menschen. In der Schleimhaut des Dickdarms sitzen mehr als 70% der Abwehrzellen unseres Immunsystems. Orchestriert wird unsere Immunabwehr von einem Milliardenheer an Mikroben – die Zusammensetzung dieser Darmbakterien wird allgemein als Mikrobiom bezeichnet und ist von Mensch zu Mensch verschieden. Darmbakterien regulieren unsere Verdauung und beeinflussen mögliche Allergien und unseren Stoffwechsel. Neuste Studien belegen jedoch, dass unsere Darmflora auch darüber hinaus Einflüsse auf unsere geistige Gesundheit hat.

Stress, Ärger und Freude bewirken, dass der Körper die Hormone Cortisol und Adrenalin ausschüttet. Unser „Urinstinkt“ wird aktiviert, der den Körper in kürzester Zeit auf Kampf oder Flucht vorbereitet, indem Kreislauf-, und Atemfunktion angeregt, die Verdauungstätigkeit dagegen gehemmt wird. Kommt die Verdauung zum Erliegen hat das negative Auswirkungen auf Dein Mikrobiom. Über die Auswahl Deiner Lebensmittel, kannst Du Einfluss auf deinen Gemütszustand nehmen.

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Stimmungsaufhellende Lebensmittel sind (Nein, nicht Schokolade):

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die deine Darmflora unterstützen. Darmbakterien sind für 90% unserer Serotonin-Herstellung verantwortlich, dem körpereigene chemische Botenstoff, der uns Glücksgefühle verleiht, unseren Appetit stimuliert, unsere Stimmung hebt und unseren Schlaf fördert. Ein Serotoninmangel im Darm kann Auslöser sein für Depressionen, Angstzustände, aggressives Verhalten und Schlafstörungen. Die Zugabe probiotischer Kulturen hat direkten Einfluss auf unser Gehirn und beeinflusst Verhalten und Empfinden. Die Darmbakterien Lactobacillus und Bifidobacterium produzieren GABA (Gamma-Aminobuttersäure), ein beruhigungswirkender Neurotransmitter der Dir hilft Dich mental und körperlich zu entspannen – vor allem in Kimchi und fermentiertem Kohl enthalten. Der Stamm Lactobacillus rhamnosus hilft bei der Hormonregulierung, indem er das Stresshormon Cortisol senkt. Gute Quellen für Probiotika sind Kefir, Joghurt, Sauerkraut, fermentiertes Gemüse, Kombucha Tee und Apfel Essig.

Zwiebeln sind gute Lieferanten von Flavonoiden, sekundäre Pflanzenstoffe, die als wertvolle Antioxidantien wirken und unserem Körper helfen oxidativen Stress abzubauen. Antioxidantien beeinflussen das Immunsystem indem sie freie Radikale unschädlich machen, die vor allem mit Zellalterung, Herz-Kreislauf Erkrankungen und Krebs in Verbindung gebracht werden. Andere gute Flavonoid Lieferanten sind Äpfel, Birnen, Weintrauben, grünes und rotes Gemüse sowie schwarzer und grüner Tee. Wahre Flavonoid Quellen sind die begehrten Superfoods wie Kakao, Matcha und Acai.

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Grüner und schwarzer Tee enthält die Aminosäure Theanin, die an der Bildung von GABA beteiligt ist, welches wiederum die entspannungswirkenden Neurotransmitter Dopamin und Serotonin fördert. Auch stimuliert Theanin Alphawellen im Gehirn, wodurch ein Zustand der tiefen Entspannung, Konzentration und Wachsamkeit hervorgerufen wird – jenem Geisteszustand, der einer Meditation nahe kommt. So hebt Theanin die Stimmung, reduziert Stress und steigert die Konzentration.

Kürbiskerne bereichern Dich mit viel Magnesium – einer der wichtigsten Mineralstoffe für unseren Körper – auch als „Salz der inneren Ruhe“ bekannt. Unter Stress kann Magnesium vermehrt über die Nieren ausgeschieden werden, was in der Folge leicht zu einem Magnesiummangel führen kann. Angstzustände, Depressionen und Migräne sind die Folge. Ein niedriger Magnesiumspiegel kann außerdem Diabetes begünstigen und chronische Entzündungen fördern.

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Safran, das goldgelbe Gewürz aus Asien ist neben seinen stark antioxidativen Wirkstoffen auch als natürliches Antidepressivum vielseitig anwendbar. Studien belegen, dass die Heilpflanze den Serotoninspiegel erhöht. Ähnlich verhält es sich mit Kurkuma, das den wirksamen Bestandteil Kurkumin enthält – ein vielfältiger Inhaltstoff, der unter anderem entzündungshemmend, entgiftend, antioxidativ und immunstimulierend wirkt – alles Eigenschaften, die positive Auswirkungen auf unsere Stimmungslage haben.

 

Man mag also seinem Bauchgefühl in Zukunft mehr Bedeutung beimessen im Hinblick dessen, dass 90% der Kommunikation von Darm in Richtung Gehirn verläuft.
Der griechische Arzt und Philosoph Hippokrates war seiner Zeit weit voraus, als er behauptete „Was wir essen, bestimmt das Gemüt“. Was damals eine kühne Hypothese war, ist heute wissenschaftlich bewiesen.

clockblog-Verfasst am 14/08/2016 von Marisol (eat-performance.de) – Der Artikel wurde von mir gekürzt

 

(c) Beitragsbild scinexx.de

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