Zahnfleischschwund bei Rohkost Essern

Hallo  Rohköstler,

Zahnfleischrückgang (Beginn der Parodontose) ist ein Symptome, das verschiedenen Ursachen haben kann. Eine davon ist eine einseitige Ernährungsweise mit entsprechenden Mangelzuständen und möglichen Störungen der Darmflora bzw. Darmwand. Viele Rohköstler klangen ab einer bestimmten Zeit darüber.
In den meisten Fällen können wir bei unseren Untersuchungen bei allen Betroffenen (betroffene Rohköstler eingeschlossen) einen lokalen Eiweißmangel im Zahnfleisch nachweisen. Darüber hinaus fehlt aber in der Regel auch immer Zink und nicht selten auch Vitamin C, auch dann, wenn die Nahrung relativ viel Vitamin C aufweist. Warum ist das nun vermutlich auch bei Ihnen so?
Ihre Ernährung besteht zu zirka 80 % aus Obst, der Rest verteilt sich auf Gemüse und Körner, wie Sie schreiben. Wenn Sie zu wenig Salz aufnehmen – denn bei dieser Art der Ernährung findet keine Natriumchloridbildung im Körper statt! – dann bilden Sie auch relativ wenig Magensäure, weshalb Sie die „Körner“ (Getreide, Nüsse, Ölsamen?) dann vermutlich nur noch schlecht verdauen können . Essen Sie mehr, als Sie verdauen können – und das ist unter Umständen nur sehr wenig -, dann kann das Eiweiß nicht richtig verdaut werden und beginnt im Darm zu faulen. Magen-Darm-Symptome, Darmflora-störungen und ein durchlässiger Darm für unerwünschte, mehr oder weniger giftige Substanzen (Leaky-Gut-Syndrom) sind dann die Folge.
Fehlt Magensäure, werden auch bestimmte Mineralstoffe im oberen Dünndarmbereich weniger gut resorbiert. Dazu gehören u. a. Kalzium, Eisen, Zink, Mangan und Chrom. Ihre Nahrung enthält nun einerseits wenig Zink und andererseits haben Sie vermutlich eine schlechte Zinkresorption im Darm. Somit werden Sie, wie all jene Rohköstler, die sich ähnlich wie Sie ernähren, u. a. einen Zinkmangel haben.

Einen relativen Eiweißmangel haben Sie schon allein deshalb, weil Sie eine Mischrohkost mit zum größten Teil ausgesprochen eiweißarmen Lebensmitteln (Obst und die meisten Gemüsesorten) betreiben, bei der die Dickdarmflora keinesfalls so gesund sein kann, dass sie Aminosäuren produziert – dies geschieht nur bei ganz bestimmten Ernährungsweisen, auf die ich auf unseren Ernährungsseminaren eingehe und die ausführlich im Folgebuch von „Gesund und Allergiefrei“ erklärt werden. Eine körpereigene Eiweißbildung findet daher bei Ihnen nicht statt. Eiweiß ist jedoch lebensnotwendig und wenn man monate- bis jahrelang nur sehr wenig Eiweiß aufnimmt, dann entstehen in der Regel an den individuellen Schwachstellen des Körpers die ersten Krankheitssymptome und/oder Degenerationszeichen.
Ein Mangel an Aminosäuren (= Eiweißbausteine) in einem Organ oder Körperteil sorgt dafür, dass der gesamte Zellstoffwechsel in seinen Funktionen nachlässt. Aminosäuren, insbesondere bestimmte essentielle Aminosäuren, sind nämlich in Verbindung mit ungesättigten Fettsäuren u. a. für eine gesunde Zellmembranfunktion notwendig. Eiweiß ist der wichtigste Baustoff unserer Zellen und somit des ganzen Körpers. Wenn also die Versorgung des Körpers mit Eiweiß bzw. Aminosäuren zu gering ist, nehmen die Zellfunktionen der betroffenen Organe oder Körperbereiche ab und können dann auch weniger mit anderen Nährstoffen versorgt werden. Dann kann sogar bei ausreichender oder guter Vitamin-C-Aufnahme dennoch ein lokaler Mangel an Vitamin C in diesen Regionen auftreten!

Ihr Zahnfleischrückgang hängt also mit großer Wahrscheinlichkeit einerseits mit einem lokalen Mangel an Eiweiß, Zink und möglicherweise auch Vitamin C im Zahnfleisch zusammen.
Andererseits haben viele Rohköstler wegen ihrer Verdauungsschwäche (infolge eines Salzmangels, der fehlenden Aufbauenergien- und eines Mangels an bestimmten Nährstoffen, wie Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen) eine kranke Darmflora mit einem durchlässigen Darm, wodurch, giftige und unverdaute Substanzen ins Blut übertreten können und die Ausscheidungsorgane (Leber und Nieren) belasten und den Körper übersäuern und verschlacken. Außerdem könne unverdaute Eiweißbruchstücke die Zellmembranen „verschlacken“, wodurch der Stoffaustausch der Zellen ebenfalls verschlechtert wird. Die Zellmembranverschlackung sorgt dann jedoch dafür, dass auch die Zellen selbst verschlacken, wodurch deren Funktionen wiederum nachlassen. Auch dieser Umstand betrifft meistens das ungesunde, zurückweichende Zahnfleisch!

Wenn Sie daher nicht nur ein gesundes Zahnfleisch haben möchten, sondern auch sonst gesund sein wollen, müssen Sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen:

1. Sie sollten eine gesunde Verdauungskraft des Magens und der Bauchspeicheldrüse haben. Außerdem sollte die Gallenbildung in der Leber gut funktionieren. Diese „Therapie“ ist übrigens eine reine „Rohkostanwendung“! Denn in Wirklichkeit ist nur die Rohkost die einzig gesunde Nahrung für lebende Organismen. Man muss nur wissen, wie man es richtig macht (ein Thema mit viel Zündstoff)!

2. Sobald Ihre Verdauungskraft nach und nach besser wird, sollten Sie langsam steigernd Lebensmittel essen, die deutlich mehr Eiweiß enthalten als Obst und Gemüse. Ausgesprochen viel Eiweiß benötigen Sie hingegen nicht, aber 0,5 bis 1 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag sollten es durchschnittlich schon sein (Diese Aussage bezieht sich grundsätzlich nur auf diejenigen Ernährungsweisen, bei denen keine Aminosäuren im Dickdarm gebildet werden. Das sind mit wenigen Ausnahmen fast alle!). Zu den eiweißreicheren Lebensmitteln gehören für Veganer vor allem Nüsse und Ölsamen, aber auch Getreide und Hülsenfrüchte. Da Ihre Dickdarmflora keine Aminosäuren selbst produziert, müssen Sie also dafür sorgen, dass Sie nicht nur mengenmäßig genügend Eiweiß aufnehmen, sondern auch, dass genügend essentielle Aminosäuren dabei sind. Das sind diejenigen Eiweißbausteine, die unter normalen Bedingungen nicht in unserem Körper gebildet oder aus anderen Aminosäuren umgewandelt werden können und die daher in ausreichender Menge zugeführt werden müssen, damit Sie das andere Eiweiß bzw. die anderen (nicht essentiellen) Aminosäuren überhaupt gut verwerten können. So, wie Sie sich bisher ernährt hatten, haben Sie nicht nur relativ wenig Gesamteiweiß aufgenommen, sondern auch sehr wenig essentielle Aminosäuren. Und dies kann dann mit der Zeit zu immer größeren Problemen des Körpers führen, die man als Laie nur sehr schwer zuordnen kann!
Um als Veganer das Nuss-, Ölsamen- oder auch Getreideeiweiß mit den essentiellen Aminosäuren aufzuwerten, müssen Sie entweder größere Mengen (mindestens zwei kg) an Gemüse pro Tag essen, oder Sie ergänzen Ihre Nahrung zum Beispiel mit etwas (Roh-)Milchprodukten (300 bis 500 ml Milch, Joghurt oder Kefir, 100 bis 200 g Quark oder 50 bis 100 g Käse), mit Sojaprodukten (gedünsteten Sojasprossen, Tofu, Sojamilch etc.) oder anderen Hülsenfrüchten (Linsen, Erbsen, Bohnen, Kichererbsen), die allerdings wegen des blausäurehaltigen Phasins (giftiges Alkaloid) immer gekocht bzw. erhitzt sein sollten, oder mit Hefeprodukten (Nährhefepasteten etc.). Wenn Sie diese Produkte als vegane bzw. vegetarische Rohköstlerin ablehnen, bleibt Ihnen längerfristig nichts anderes übrig, als regelmäßig große Mengen an Gemüse mit oder ohne Wildkräutern zu essen oder Ihre Dickdarmflora so stark in Schuss zu bringen, dass diese für Sie die notwendigen Aminosäuren bildet.

3. Als nächstes sollten Sie sich dann mit denjenigen Lebensmitteln ernähren, die auch genügend Zink und viele weitere wichtige Mineralstoffe in größerer Menge enthalten. Dazu gehören u. a. die meisten Nüsse und Ölsamen, wie Mandeln, Haselnüsse, Sesamsamen etc, aber auch Getreide und Hülsenfrüchte. Damit man diese Nährstoffe jedoch auch gut im Darm resorbieren kann, muss man eine gesunde Darmflora haben, denn nur dann kann auch genügend Phytase gebildet werden, wodurch die in diesen Lebensmitteln enthaltene Phytinsäure teilweise abgebaut wird. Findet dieser Phytinsäureabbau nicht statt, wird durch diese Substanz die Resorption vieler Mineralstoffe im Darm erschwert.

Eine wirklich gesunde Darmflora sorgt außerdem dafür, dass bereits im mittleren Dünndarm und natürlich auch im unteren Dünndarm durch die sich dort befindenden Milchsäurebakterien Vitamin B12 gebildet wird, das dann gebunden an den Intrinsicfaktor, der im Magen gebildet wird, im unteren Dünndarmbereich resorbiert wird. Ihre bisherige Ernährungsweise enthält kein Vitamin B12 und setzt daher auf jeden Fall eine gesunde Darmflora voraus. Wenn Sie diese nicht haben, was allein schon aufgrund von Kombinationsfehlern Ihrer Nahrung möglich ist, kann der Vitamin-B12-Speicher in der Leber nach wenigen Jahren aufgebracht sein und Sie rutschen in weitere für Rohköstler häufig vorkommende Gesundheitsbeschwerden hinein!

Sie sehen, wie komplex die Hintergründe für eine wirklich gesunde Ernährungsweise sind. Dennoch ist, wenn Sie alles Notwendige wissen, die optimale Ernährung des Menschen ganz einfach. Man kann sich dann nämlich von bestimmten Frucht-Nuss-Kombinationen oder auch rohem, angekeimtem Getreide mit sortenreinem Olivenöl ernähren, ohne dass irgendwelche Mangelsymptome auftreten. Fehlende Vitamine, wie das Vitamin D, und viele andere Substanzen werden dann im Körper selbst gebildet, aber nur dann, wenn einige Voraussetzungen erfüllt sind. Dies hört sich einfach an, ist es in der Praxis auch, nur der Weg dorthin ist in vielerlei Hinsicht nicht leicht – vor allem nicht in der heutigen Zeit. Falls Sie daher nun denken: „Ach, dann esse ich nun halt mehr Nüsse und Ölsamen“, werden Sie damit sicherlich nicht glücklich werden. Erstens können Sie diese vermutlich derzeit nicht richtig verdauen und würden dadurch Ihr Problem eher verstärken und zweitens müssen Sie auch wissen, wie man diese am besten isst bzw. kombiniert.

Ich habe mir trotz der Komplexität des großen Themas „Richtige Rohkosternährung“ die Mühe gemacht, an Hand des Symptoms „Zahnfleischrückgang“ aufzuzeigen, warum langfristig eine einseitige, falsch angewandte Rohkosternährung automatisch zu gesundheitlichen Problemen führt, die zum Teil sehr gravierend sein können. Ich bin mir bewusst, dass ich mit diesen Ausführungen nur ein paar wichtige Punkte angesprochen habe, denn nur eine ganzheitliche Betrachtung dieses Themas kann meinem persönlichen Anspruch dem gegenüber gerecht werden. Daher werde ich mich diesem wichtigen Thema auch im Folgebuch von „Gesund und Allergiefrei“ widmen, in dem es unter anderem um eine Rohkosternährung geht, bei der die aufgeführten Probleme neben vielen weiteren berücksichtigt werden und bei richtiger Anwendung nicht mehr auftreten.

Ich hoffe, Sie wissen nun, was Sie in Zukunft besser machen können. Zumindest können Sie mit diesen Tipps Ihr Problem sicherlich zum Stillstand bringen. Weitere Störungen Ihres Körpers werden dadurch auf jeden Fall verringert oder vermieden.
Im Übrigen kann man einen Zinkmangel auch vorrübergehend durch Zinkpräparate ausgleichen. So könnten Sie ohne Bedenken für einige Monate zirka 30 mg Zink zusätzlich einnehmen. Dies betrifft natürlich auch das Vitamin C, das allerdings möglichst aus natürlichen Quellen stammen sollte (Acerolapräparate etc.). In unserer Praxis stärken und regenerieren wir das erkrankte Zahnfleisch darüber hinaus auch noch mit einem individuell ausgesuchten homöopathischen Mittel, welches das Lebensenergienivieau in diesem Bereich erhöht, wodurch sich der Zellstoffwechsel wieder verbessert bzw. normalisiert. In Wirklichkeit ist alles Energie und gesund werden und bleiben bedeutet damit, ein möglichst hohes Lebensenergieniveau im Körper zu haben.

Viele Grüße
H. Müller-Burzler  (Quellenhinweis: http://www.mueller-burzler.de/=)

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